Genja Jonas

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Genja Jonas (* 2. September 1895 Rogasen, Kreis Obornik, Provinz Posen - 8. Mai 1938 Dresden) war Fotografin.

Leben

Sie wird geboren als Jenny Jonas, drittes Kind von vier Kindern eines jüdischen Zigarrenhändlers, und erlernte das Fotografieren nach Aussage der Familie in Berlin.

Ab 1918 führte sie ein Atelier in der Bürgerwiese 6, Dresden-Altstadt. Dort beschäftigte Sie zeitweise Erica Stroedel. Der wohl berühmteste kurzzeitige Mitarbeiter war WOLS alias Alfred Otto Wolfgang Schulze. Sie wohnt zuerst Lukasstraße 1, später in der Bankstraße 13 und ab 1934 Bürgerwiese 4.

Ihre Teilnahme an der internationalen Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart 1929 ist ein Höhepunkt ihres Schaffens. Viele Veröffentlichungen in Magazinen, die Teilnahme an Fotowettbewerben und eine nennenswerte Ausstellung in der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden zeugen von ihrer Vielseitigkeit. Große Bekanntheit erlangte Genja Jonas durch eine eigene Art der Kinderbildnisse sowie durch Porträts bekannter Zeitgenossen und Kunstschaffender, die in Dresden lebten oder zeitweilig dort wirkten, wie Kurt Schwitters, Gret Palucca, Fritz Reiner, Theodor Däubler, Adolf Wohlbrück, Joachim Ringelnatz, Walter Peterhans, Erich Haenel und vielen weiteren. Aber auch internationale Größen, wie den russischen Opernsänger Schaljapin oder den syrischen Künstler Jussuf Abbo, setzte sie in Szene. Ebenfalls einen Namen machte sich Genja Jonas als Tanzfotografin, u. a. mit Tanzstudien von Sent M‘Ahesa, aber vor allem von Gret Palucca Mitte der 1930er-Jahre.

1935 wird sie als Jüdin aus der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) ausgeschlossen.

Nach ihrem frühen, durch schwere Krankheit bedingten Tod verkaufte der Dresdner Schriftsteller Alfred Günther, mit dem sie verheiratet war, das Atelier an ihre Kollegin Charlotte Rudolph. Mit der Zerstörung durch die Bombardements im Februar 1945 ging auch der überwiegende Teil des fotografischen Nachlasses für immer verloren. Die Emigration ihrer Familie sowie die Deportation der Eltern ins Vernichtungslager Sobibor erlebte Genja Jonas nicht mehr.

Im Bestand des Kupferstich-Kabinettes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden befinden sich über 30 Fotoarbeiten von ihr. Die Deutsche Fotothek verwaltet 57 Abzüge, davon 7 parallel.

Quellen

  • Alexander Atanassow: Genja Jonas. Eine Dresdner Lichtbildnerin. Kunstblatt, Dresden 2013, ISBN 978-3-9815797-0-3.
  • Alexander Atanassow: Die Fotografin Genja Jonas und ihre Kolleginnen 1918 bis 1938/39. Vortrag Frauenstadtarchiv 23.09.2015.